Regeln und Praktiken des Löwentanzes

Der Löwentanz hat einen sehr traditionellen Charakter. Der Löwe ist ein Überbringer des Glücks und der Freude. Entsprechend hat er sich zu verhalten.

 

Zu Beginn und am Ende des Tanzes muss der Löwe (sowie der Buddha) jeweils drei Verbeugungen machen:

  1. nach links - für die Gelehrten 左 是 文
  2. nach rechts - für die Kämpfer 右 是 武
  3. zur Mitte - für die Meister und die Lehren 中 是 教 頭 (bzw. die Zuschauer) und gegebenenfalls noch
  4. nach hinten - für den Großmeistern und die Meister (bzw. nochmals die drei vorher genannten Verbeugungen komplett) sowie
  5. vor einem Hausaltar oder einer sehr erwürdigen Person verbeugt er sich ebenfalls dreimal.

Beispielhaft eine Aufzählung von weiteren Regeln, die der Tradition aus alter Zeit entsprechen und daher zum Teil einen etwas abergläubischen Charakter haben.

Ihr Nichtbeachten könnte nach chinesischem Glauben Unglück verursachen.

  • Ein Löwe darf ohne richtige Einweihung nicht für den Löwentanz benutzt werden.
  • Der Löwentanz soll nie auf Beerdigungen und Trauerfeiern vorgeführt werden.
  • Vor dem Löwentanz soll über nichts Unerfreuliches und Unsinniges geredet werden.
  • Vor einer Löwentanzaufführung sollte der jeweilige Schutzpatron (Guan Yü, Liu Bei, Zhang Fei) geehrt werden, z. B. durch das Verbeugen vor einem entsprechenden Bild.
  • Vor jedem Auftritt müssen alle Instrumente, besonders die zwei Trommelstäbe, still sein.
  • Erst nach dem ersten Trommelschlag (dem „Gebrüll“ des Löwen) dürfen die anderen Instrumente ertönen.
  • Ein Löwe darf beim Betreten und Verlassen eines Gebäudes nicht auf die Türschwelle treten.
  • Der Buddha darf beim Führen des Löwen nicht sprechen.
  • Der Löwe darf nie von einer Frau geführt werden, die gerade ihre Periode hat, da diese nach chinesischem Glauben in dieser Zeit unrein ist und keine religiösen Dinge berühren darf.
  • Niemals soll ein Löwe unter einer Wäscheleine durchgehen, an der noch Wäsche hängt.
  • Falls während des Löwentanzes eine streunende Katze oder ein Hund in die Formation läuft, müssen alle Aktionen sofort stoppen, um den negativen Einfluss zu vermeiden.
  • Jeder, der einen Todesfall in der Familie hatte und noch nicht über die Zeit der Trauer hinweg ist, sollte nicht an einem Löwentanz teilnehmen.
  • Schwangere dürfen weder Schlaginstrumente noch den Löwenkopf berühren.
  • Nach der Einweihungszeremonie beim ersten Löwentanz tragen die Tänzer einen kleinen Büschel Lauch und sie sollten einen roten Umschlag (Hong Bao) mit „Glücksgeld“ erhalten, der alle Missgeschicke vermeiden soll.
  • Ein alter Löwenkopf muss in einer Zeremonie mit Weihrauchpapier verbrannt und damit in den Himmel zurück geschickt werden.
  • Der Löwe geht stets rückwärts hinaus, denn wenn er einem Gebäude bzw. einem Altar das Hinterteil zukehren würde, würde dies das Gebäude/den Altar entehren.
  • Treffen zwei Löwen aufeinander, müssen sie sich gegenüber respektvoll verhalten. Beleidigend wäre z. B. das Riechen am Hinterteil des anderen Löwen oder Beinheben wie beim Urinieren.
  • Und – eigentlich selbstverständlich – der Löwe darf sich nicht gewaltsam Zutritt zu Gebäuden, Höfen, etc. verschaffen, er darf nicht mutwillig Einrichtungsgegenstände zerstören und keine zuschauenden Personen angreifen oder beleidigen.