Sitten und Gebräuche

China ist von Deutschland über 7200 km entfernt. Das bringt mit sich, dass sich die chinesischen Sitten in sehr vielen Bereichen sehr von den Unseren unterscheiden. Die eine oder andere Sitte erscheint uns Westlern sicherlich befremdlich. Aber – umgekehrt wird ein Schuh daraus.

Natürlich gibt es bei 1,3 Milliarden Einwohnern und 23 Provinzen Unterschiede in den Regeln und auch zwischen dem Menschen in der Stadt und Menschen auf dem Land oder jüngeren und älteren Generationen oder den Menschen, die in Gebieten wohnen mit viel Kontakt zu den „Langnasen“ und den Gebieten, in denen die Westler noch eine Attraktion sind. Chinesen, die an Westler gewöhnt sind, werden mit einem Fauxpas im Benehmen sicher leichter umgehen können als Chinesen, denen weniger präsent ist, wie unterschiedlich die westliche Kultur ist. Und kein Chinese erwartet von einem Europäer, alle Feinheiten des täglichen Umgangs wirklich zu kennen.

 

Nichtsdestotrotz sind verschiedene westliche Verhaltensweisen vielen Chinesen zwar bekannt, können aber trotzdem ein unangenehmes Gefühl beim chinesischen Gastgeber auslösen, wenn sie praktiziert werden. Theorie und Praxis halt.

 

Im Folgenden ist der Versuch unternommen worden, ein paar der wichtigsten chinesischen Grundregeln aufzulisten. Grundlage dafür waren Informationen aus dem Internet. Sehr informativ war beispielsweise dieser Link: http://www.china9.de/knigge/china-knigge.php

Essensregeln

Der offensichtlichste Unterschied zum Westen ist, dass zum Essen Essstäbchen benutzt werden und dass die Chinesen beim Essen auch schmatzen oder schlürfen oder rülpsen. Dies sollte ein Europäer tolerieren, aber nicht unbedingt nachahmen.

 

Weniger offensichtlich sind folgende Verhaltensweisen:

  • Beim Essen bestellt man in der Regel mehrere Gerichte. Reis muss gesondert bestellt werden.
  • Suppe wird oft als einer der letzten Gänge serviert, weil man die Vorstellung hat, damit die letzten Hohlräume im Magen auszufüllen.
  • Es ist möglich, dass die komplette Speisen-Bestellung gleichzeitig auf den Tisch gelangt, weil es keine zeitliche Speisenfolge nach europäischen Vorstellungen gibt.
  • Es ist üblich, mit vollem Mund zu reden oder während des Essens zu rauchen (gern auch mal gleichzeitig). Auch Fleischreste zwischen den Zähnen entfernt ein Chinese sich ungeniert.
  • Beim Essen wird Alkohol getrunken und auch Trinkspiele sind beliebt. Grundsätzlich wird das Glas auf einen Zug geleert. Vor allem in Nordchina trinkt man gern viel und dies kann schnell in einer Art Kampftrinken ausarten. Durch ein "Nein" die Einladung zum Trinken einfach abzulehnen, würde den Einladenden bloßstellen. Also kann man mittrinken - und dann eventuell auf allen Vieren vom Tisch wegkrabbeln - oder eine höfliche Ausrede erfinden. Eine akzeptable Ausrede ist zum Beispiel die Einnahme von Medikamenten, die keinen Alkoholkonsum erlauben. Wenn man bereits angefangen hat mitzutrinken, wird es ungleich schwieriger, ohne Gesichtsverlust auszusteigen.
  • Nach dem Essen sollte man keinen Chinesen zu einem “Absacker” einladen. Dies wird oft mit dem “letzten Getränk vor dem Tode” assoziiert – analog der berühmten “letzte Zigarette“ uns.

Und die wichtigsten Tabus

  • Essstäbchen sollten niemals aufrecht in die Reisschüssel gelegt werden, da das in China nur bei Beerdigungen üblich ist und deshalb ein Zeichen für Tod. Dieses Verhalten käme dann einem bösen Omen gleich.
  • Den Teller sollte man keinesfalls leer essen. Bei uns führt dies zu gutem Wetter. In China brüskiert man damit den Gastgeber. Denn das würde bedeuten, dass er zu wenig Speisen aufgeboten hat.
  • Und wer dem Kellner Trinkgeld gibt, läuft Gefahr, ihn damit zu beleidigen.
  • Niemals bei Tisch die Nase schnäuzen. Zum Nase putzen geht man auf die Toilette.

Essenseinladung

  • Einladungen zum Essen sollten möglichst angenommen und auch erwidert werden.
  • Das Sprichwort „Pünktlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ gilt nicht in China. Auf Pünktlichkeit wird in China großen Wert gelegt.
  • Der Gast sollte ein Gastgeschenk mitbringen.
  • Man sollte aus Höflichkeit alle Gerichte kosten und natürlich loben. Wenn man etwas nicht essen will, dann sollte man es begründen (Vegetarier, Unverträglichkeit...)
  • Ein Trinkspruch zu Ehren des Gastgebers wird erwartet.
  • Nach dem Essen wird oft Obst gereicht als Zeichen zum Aufbruch. Die Chinesen stehen dann abrupt vom Tisch auf und beenden damit das gemeinsame Essen. Was in Europa unhöflich wäre, ist hier höflich und bringt den Gastgeber nicht unter den Zugzwang, weitere Speisen aufzutischen.
  • In China muss ein Trinkglas immer voll sein, im Gegensatz zu Europa, wo man üblicherweise erst dann nachschenkt, wenn ein Glas leer getrunken ist. Es wird also auch nachgeschenkt, obwohl man noch fast gar nichts getrunken hat. Dies gilt vor allem für leichtere alkoholische Getränke wie Bier.
  • Man sollte vermeiden, sich selbst etwas einzuschenken, ohne vorher nicht allen anderen Tischgästen ebenfalls nachgeschenkt zu haben - und sei es nur andeutungsweise. Selbst in ein volles Glas passen noch ein paar Tropfen mehr hinein.

Gastgeschenke

  • Das Geschenk sollte immer verpackt werden, damit der Inhalt nicht sofort gesehen wird. Der Beschenkte wird es erst später, alleine, auspacken. Würde sich die Enttäuschung über ein unpassendes Geschenk in seiner Mimik spiegeln, hätte er das Gesicht verloren.
  • Meist ziert sich der Beschenkte erst. Man sollte ihm das Geschenk so lange anbieten, bis er es annimmt.
  • Die Geschenkverpackung sollte keinesfalls weiß sein. Rot dagegen ist immer gut. Warum, wird später erklärt.
  • Niemals schenken:

a) Blumen: werden vor allem bei Todesfällen geschenkt.

b) Uhr: hat die Bedeutung von „Deine Zeit ist abgelaufen“

c) Schirm: hat die Bedeutung von „die Freundschaft kündigen“, da das Wort für “Regenschirm” im Chinesischen sehr ähnlich wie das Wort für “Trennung“ klingt.

d) Grüner Hut: unterstellt dem verheirateten Mann, dass seine Frau ihn betrügt und er nichts davon mitbekommt.

Alltägliches Miteinander

  • Anstarren von Leuten ist üblich und ein Zeichen von Neugier, wenn beispielsweise ein Europäer durch seine Größe oder Haarfarbe auffällt. Das umgekehrte Anstarren sollte man lassen, ebenso wie bewundernde Blicke oder Gesten. Es wird wahlweise als Missbilligung oder bedrohlich empfunden.
  • Die Sitte, Visitenkarten auszutauschen, ist von großer Bedeutung. Sie werden immer mit beiden Händen überreicht. Höflich ist es, die Karte sofort zu lesen und zu würdigen, bevor man sie einsteckt. Und zwar nicht in der Hose, sondern in der Jackentasche, sonst würde man symbolisch auf dem Visitenkartenbesitzer sitzen.
  • Eine Warnung für alle Choleriker: Der Verlust der Beherrschung in der Öffentlichkeit ist in China ein Verlust von Ansehen – sowohl für denjenigen, der sich gerade aufregt, als auch für alle, die das mit ansehen müssen. Also sollte man einen kühlen Kopf behalten.
  • Man sollte nie einen Chinesen dazu auffordern, sein Handy auszumachen oder seinen Klingelton leiser zu drehen. Dies wird als großer Verlust von Ansehen empfunden.
  • In der Öffentlichkeit wird oft und gerne auf den Boden gespuckt, aber niemals die Nase geschnäuzt. Nur Letzteres gilt als extrem unfein.
  • Es ist durchaus üblich und kein Zeichen für Homosexualität, dass Männer Hand in Hand durch die Straßen laufen oder sitzend Händchen halten. Dies drückt sehr gute Freundschaft aus.
  • Chinesen drängeln gerne. Sobald die wartende Gruppe etwas größer wird, geht es darum, sich einen guten Platz zu ergattern, egal ob an der Bushaltestelle, im Kino oder im Restaurant. Oft mit wenig rücksichtsvollem Verhalten gegenüber anderen.
  • Eine besondere Bevorzugung von Frauen ist den Menschen in China fremd. Wer einer chinesischen Frau die Tür aufhält oder ihr den Vortritt lässt, wird wohl einen überraschten Blick ernten.

Gespräch

  • Ein Anstarren des Gesprächspartners - oder wie wir sagen würden - ein fester, bestimmter Blick in die Augen des Gegenübers als Ausdruck von Stärke oder aufmerksamem Zuhören, wird in China als aufdringlich empfunden. Das heißt natürlich nicht, dass man einen Gesprächspartner gar nicht ansehen soll. Eine gute Faustregel ist es, etwa 1/3 der Zeit Augenkontakt zu suchen.
  • Absolute Tabuthemen sind Politik (auch Tibet), Kritik am eigenen Staat, Religion, Sexualität. Auf der sicheren Seite ist man mit neutralen Themen. Umgekehrt muss man als Europäer damit klar kommen, dass Chinesen gerne nach der Höhe des Einkommens fragen. Dies ist bekanntlich bei uns tabu.
  • Einen Gesichtsverlust mag auch ein Europäer nicht erleiden. In China legt man jedoch noch wesentlich mehr Wert darauf, auch nur angedeuteten Gesichtsverlust unter allen Umständen zu vermeiden.
  • Chinesen diskutieren zwar miteinander leidenschaftlich gern über alle möglichen Themen. Am Schluss einer jeden Diskussion sollte jedoch stehen, dass man sich im Grunde darauf einigt, dass beide Recht hatten oder man eigentlich das Gleiche meinte. Es gibt keinen, der am Schluss Recht hat. Dies würde peinlich arrogant wirken und/oder als ein persönlicher Angriff auf den Diskussionspartner gewertet werden können.
  • Chinesen sind oft Meister darin, Kritik durch die Blume anzubringen. Ein bekanntes Beispiel ist es, jemandem interessante Zeiten zu wünschen, was einer Verwünschung gleich kommt. Oder wenn eine Idee wirklich schlecht ist, betont der Chinese, dass der Urheber schon oft viele gute Idee hatte. Die Grundlage des Miteinanders in China ist die Aufrechterhaltung der Harmonie und die Vermeidung von Streit. 

Fotografieren

  • Vor dem Fotografieren eines Menschen sollte dieser immer um Erlaubnis gefragt werden.
  • Fotografieren auf Flughäfen und in einigen Tempeln ist verboten. Vorsicht ist auch bei militärischen Anlagen oder staatlichen Einrichtungen angebracht.

Sonstiges

  • Öffentliche Gebäude und buddhistische Tempel sollten nur in angemessener Kleidung betreten werden.
  • Religiöse Skulpturen, zum Beispiel von Buddha, sollten nicht berührt werden
  • Die Farbe Weiß ist in China ein Zeichen von Trauer und Unglück. Deshalb eher keine weiße Kleidung tragen. Die Farbe Rot steht für Glück und Wohlstand. Jetzt ist auch klar, warum Geschenke rot und nicht weiß verpackt werden sollten.
  • Die Zahlen 4, 7 und 10 gelten als Unglückszahlen, was an deren Aussprache liegt. Vier und Zehn klingt im Chinesischen ähnlich wie die Aussprache des Wortes "Tod"; sieben ähnlich wie das Wort für "fort gegangen". Positiv belegt sind die Zahlen 6, 8 und 9. Deren Aussprache klingt wie die Wörter „Erfolg versprechend“, „Reichtum“, „für immer“.